Steuerberatungskanzleien und Lohnbüros rechnen den Großteil aller Löhne in Deutschland ab – mit Systemen, die anders gebaut sind als die Lohnsoftware für den einzelnen Betrieb: mandantenfähig, an das Rechenzentrum angebunden, mit Baulohn und Pfändungen im Standard. Ein Überblick über DATEV, edlohn, Agenda und ADDISON – und was das für dich als Mandant bedeutet.
Wer die Lohnabrechnung über seinen Steuerberater laufen lässt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nie den Namen der Software gehört, mit der sie erstellt wird – und sie heißt fast immer DATEV. Die Genossenschaft aus Nürnberg gehört ihren Mitgliedern, den Steuerberatern, und hat über Jahrzehnte die Infrastruktur aufgebaut, an der die Branche hängt: das eigene Rechenzentrum, die Übermittlungswege zu Finanzverwaltung, Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, die Anbindung an die Finanzbuchhaltung im DATEV-Rechnungswesen und die Schnittstellen, über die Mandanten Daten anliefern.
Nach eigenen Angaben werden mit den beiden DATEV-Lohnprogrammen monatlich rund 14,5 Millionen Arbeitnehmer abgerechnet. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, dazu Minijobber und Beamte. Ein erheblicher Teil aller Lohnabrechnungen im Land läuft also über eine einzige Softwarefamilie. Das prägt den Markt: Alternative Systeme werden vor allem daran gemessen, ob sie sich in DATEV-Prozesse einfügen – etwa über den Buchungsstapel für das Rechnungswesen.
Für Kanzleien hat das eine zweite Konsequenz: Lohn ist personalintensiv, und Lohnsachbearbeiter sind knapp. DATEV bietet deshalb inzwischen eine eigene Lohndienstleistung an, bei der DATEV-Mitarbeiter die Abrechnung für eine Kanzlei übernehmen – befristet bis sechs Monate oder dauerhaft ab einem Jahr. Dass der Marktführer selbst zum Dienstleister wird, sagt viel über den Fachkräftemangel im Lohn.
Alle Angaben stammen von den Anbieterseiten (abgerufen 22.09.2026, DATEV-Lizenzpreise aus der Preisliste Stand 01/2026). Kanzlei-Systeme werden individuell angeboten – die Tabelle zeigt, was öffentlich ist.
| System | Anbieter | Betrieb | Zielgruppe | Preismodell | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| DATEV LODAS | DATEV eG, Nürnberg | DATEV-Rechenzentrum | Kanzleien mit großen Mandantenbeständen, Abrechnung zum Monatsende | Lizenz ab 27,20 €/Monat (classic) bzw. 45,46 € (comfort), zzgl. Grundpreis je Arbeitnehmer über die Kanzlei | Öffentlicher Dienst abrechenbar, Baulohn, Pfändungen |
| DATEV Lohn und Gehalt | DATEV eG, Nürnberg | vor Ort in der Kanzlei | kleinere Mandanten, Abrechnungen auch außerhalb des Monatslaufs | wie LODAS; jede weitere Lizenz 7,93 € (classic) bzw. 13,66 € (comfort) | Baulohn, Pfändungen; kein öffentlicher Dienst |
| edlohn | eurodata AG, Saarbrücken | Cloud (deutsches Rechenzentrum) | Steuerberater, Lohnbüros, Selbstbucher | Preis je Lohnabrechnung, all-in mit Updates, Support, Online-Lernen | 56.000 Mandanten, 6,6 Mio. Abrechnungen/Jahr, ITSG, ISO 27001/22301 |
| Agenda Lohn | Agenda Informationssysteme, Rosenheim | Kanzlei-Komplettsystem | Steuerberater | auf Anfrage | 380.000 Nutzer im Komplettsystem laut Anbieter |
| ADDISON | Wolters Kluwer | Kanzlei-Komplettsystem | Steuerberater | auf Anfrage | Lohn-Modul innerhalb der Kanzleisoftware; HR-Suiten wie HRworks übergeben direkt an ADDISON |
| DATALINE Lohnabzug XL | DATALINE | Windows-Desktop | kleine Lohnbüros bis 10 Mandanten | 1.499 €/Jahr für bis zu 200 Abrechnungen/Monat | GKV-Zertifikat, DEÜV/ELSTER, DATEV-Buchungslisten-Export |
Wir bewerten Kanzlei-Systeme bewusst nicht mit Noten: Sie lassen sich ohne Kanzleizugang nicht nach unserer Testmethodik prüfen, und die tatsächlichen Kosten hängen von individuellen Verträgen ab. Die Tabelle ist eine Einordnung, kein Test.
Die beiden DATEV-Programme leisten fachlich dasselbe: Lohn- und Gehaltsabrechnung mit allen Meldeverfahren, Baulohn, Pfändungen, automatischer Datenübermittlung an Institutionen und branchenspezifische Meldestellen, Archivierung für Prüfungen und Anbindung an vor- und nachgelagerte Systeme. Der Unterschied liegt darin, wo gerechnet wird – und das entscheidet, für welche Kanzlei welches Programm passt:
| DATEV LODAS | DATEV Lohn und Gehalt | |
|---|---|---|
| Verarbeitung | im DATEV-Rechenzentrum | vor Ort auf dem Kanzleirechner |
| Passt für | große Mandantenbestände mit Abrechnung zum Monatsende | kleinere Mandanten und Abrechnungen außerhalb des festen Laufs |
| Öffentlicher Dienst | ja | nein |
| Baulohn | ja | ja |
| Lizenz classic | 27,20 €/Monat, weitere Lizenz 7,93 € | 27,20 €/Monat, weitere Lizenz 7,93 € |
| Lizenz comfort | 45,46 €/Monat, weitere Lizenz 13,66 € | 45,46 €/Monat, weitere Lizenz 13,66 € |
Netto-Lizenzpreise aus der DATEV-Preisliste für Unternehmen (Stand 01/2026). Zusätzlich fällt je Arbeitnehmer und Monat ein Abrechnungsgrundpreis für die DATEV-Cloud-Services an, den DATEV nicht öffentlich ausweist – die Preisliste verweist dafür an die Steuerberatung. Einen öffentlichen DATEV-Preis „pro Lohnabrechnung“ gibt es nicht.
Unternehmen können beide Programme auch mit eigener Lizenz betreiben. Sinnvoll ist das, wenn eine Lohn-Fachkraft im Haus ist und die Kanzlei ohnehin im DATEV-Rechnungswesen bucht. Für kleine Betriebe ohne Fachkraft ist das selten der richtige Weg – dafür gibt es die Selbstabrechner-Programme im Lohnsoftware-Vergleich →. Details: DATEV Lohnlösungen für Kanzleien.
edlohn ist das Lohnsystem der eurodata AG und die wohl größte Alternative zu DATEV im Kanzleimarkt. Es läuft vollständig im Browser aus einem eurodata-Rechenzentrum in Deutschland (ISO 27001 und ISO 22301 zertifiziert), ist ITSG-zertifiziert und rechnet nach eigenen Angaben 6,6 Millionen Lohnabrechnungen im Jahr ab, verschickt dabei 14,3 Millionen elektronische Meldungen und betreut 56.000 Mandanten – seit 61 Jahren im Geschäft.
Der Zuschnitt ist auf Kanzleien und Lohnbüros ausgelegt: ein Rechtekonzept für die Arbeit mit vielen Mandanten, Baulohn und Sonderabrechnungsfälle im Standard, automatisierte Meldeverfahren und Schnittstellen zur elektronischen Datenübermittlung an Finanzverwaltung und Sozialversicherung. Abgerechnet wird nach Kosten je Lohnabrechnung als „all-in“-Preis, in dem Updates, Support und das Online-Lernangebot enthalten sind. Neben Kanzleien setzen auch Unternehmen mit eigenem Lohn-Fachwissen edlohn als Selbstbucher ein.
Konkrete Preise nennt eurodata nur auf Anfrage. edlohn bei eurodata.
Agenda positioniert sich als Komplettsystem für Steuerberater mit Lohn, Rechnungswesen und Kanzleiorganisation aus einer Hand und nennt 380.000 Nutzer. Details zum Lohn-Modul, zu Preisen und Mandantenfunktionen veröffentlicht der Anbieter nicht auf der Website, sondern im Gespräch. agenda-software.de.
ADDISON ist die Kanzleisoftware von Wolters Kluwer mit eigenem Lohn-und-Gehalt-Modul. Wie bei DATEV ist die Einbindung in die Kanzleiprozesse der Kern – und wie DATEV wird ADDISON von HR-Systemen als Übergabeziel unterstützt: HRworks etwa liefert lohnrelevante Daten wahlweise an DATEV oder ADDISON. Preise und Funktionsdetails gibt es beim Anbieter; die Produktseite war für uns zum Prüfzeitpunkt nicht abrufbar, weshalb wir hier bewusst keine weiteren Angaben machen.
Wer als Lohnbüro oder Buchhaltungsservice bis zu zehn Mandanten abrechnet, braucht kein Kanzlei-Komplettsystem. DATALINE Lohnabzug ist eine Windows-Desktop-Software mit Jahreslizenz: Tarif LOHN L (999 €/Jahr) deckt 50 Abrechnungen im Monat und vier Mandanten ab, LOHN XL (1.499 €/Jahr) 200 Abrechnungen und zehn Mandanten – jeweils mit GKV-Zertifikat, DEÜV- und ELSTER-Verfahren und einem DATEV-Buchungslisten-Export, über den die Lohnbuchungen an eine Kanzlei gehen können. Preise zzgl. USt., Stand Juli 2026, dataline.de.
Die Kanzlei-Software bestimmt, wie Mandanten ihre Lohndaten anliefern – und hier hat sich in den letzten Jahren am meisten verändert. Früher kam der Stundenzettel per Fax, heute übergeben HR-Systeme die Daten direkt:
Für die Kanzlei heißt das: Je mehr Mandanten über strukturierte Schnittstellen anliefern, desto weniger Erfassungsaufwand bleibt im Lohn. Für Mandanten heißt es umgekehrt, dass der Wechsel zwischen den Wegen – Kanzlei, Lohnbüro, selbst – technisch einfacher geworden ist als früher.
Wenn du diese Seite liest, weil dein Steuerberater die Löhne abrechnet und du wissen wolltest, womit – dann ist die wichtigere Frage vielleicht eine andere: ob das für deinen Betrieb noch der richtige Weg ist. Die Kanzlei rechnet für die laufende Lohnabrechnung üblicherweise 15 bis 25 € je Mitarbeiter und Monat ab. Das ist fachlich einwandfrei und bringt einen Haftungspartner mit – aber es ist der teuerste der drei Wege.
| Weg | Kosten bei 10 Mitarbeitern | Für wen |
|---|---|---|
| Beim Steuerberater lassen | 150–250 €/Monat | Kanzlei macht ohnehin die komplette Finanzbuchhaltung; komplexe Fälle (Tarif, Altersteilzeit, Pfändungen); Haftungspartner gewünscht |
| Spezialisiertes Lohnbüro (Lohnhelden) | ab 89 €/Monat | Standardfälle und Baulohn, keine Zeit für Selbstabrechnung – fachlich dasselbe Ergebnis zum halben Preis |
| Selbst mit Software (Lexware Office) | ab 12,90 €/Monat, staffelt | Bis etwa 10 Mitarbeiter mit Standardgehältern; Buchhaltung läuft digital im eigenen Haus |
Netto, Stand September 2026, ohne Gewähr. Lohnhelden: 8,90 € je Abrechnungsfall; Lexware: Einstiegspreis des Lohn-Moduls, Staffel nach Mitarbeiterzahl.
Unsere Redaktion hat diesen Wechsel 2018 selbst gemacht – vom externen Lohnbuchhalter zur eigenen Abrechnung in Lexware Office – und spart seitdem jedes Jahr einen vierstelligen Betrag. Was du für den Umstieg von der Kanzlei brauchst (Stammdaten, Lohnkonten des laufenden Jahres, Betriebsnummer), steht im Ratgeber zur Lohnabrechnung beim Steuerberater →.
Kanzleien entscheiden zwischen dem Standard DATEV und der Cloud-Alternative edlohn – beide mandantenfähig, beide mit Baulohn und Meldewesen im Kern. Als Mandant musst du die Kanzlei-Software nicht kennen, um die richtige Entscheidung zu treffen: Lohnbüro oder Selbstabrechnung kosten bei zehn Mitarbeitern 60 bis 240 € weniger im Monat als der Steuerberater.
Komplett abgeben ab 8,90 €/Fall: Lohnhelden. Selbst abrechnen ab 12,90 €/Monat: Lexware Office. Kosten für deine Mitarbeiterzahl →
Zum Lohnsoftware-Vergleich für Unternehmen →